Hält unser Geschäftsmodell das aus?

Hätten Sie sich vor ein paar Wochen die Frage gestellt: „Wie würden wir unser Geschäftsmodell gegen eine weltweite Pandemie schützen?“ Nein? Wir tun gut daran, unsere bestehenden Geschäftsmodelle in der Tiefe zu verstehen und zu hinterfragen. Dann wissen wir auch, wo wir angreifbar sind und können rechtzeitig reagieren.

Jens Springmann, Forum für Führungskräfte

Wir leben in einer sehr volatilen Welt. Große Themen bewegen unsere Unternehmen: Digitalisierung, Klimaschutz oder eine Pandemie wie COVID19. Hätten Sie sich vor ein paar Wochen die Frage gestellt: „Wie würden wir unser Geschäftsmodell gegen eine weltweite Pandemie schützen?“ Nein? Vielleicht dachten Sie auch, dass so was nicht passieren wird.

Wir tun gut daran, unsere bestehenden Geschäftsmodelle in der Tiefe zu verstehen und zu hinterfragen. Dann wissen wir auch, wo wir angreifbar sind und können rechtzeitig reagieren.

Zugegeben habe ich auch nicht mit einer Pandemie im aktuellen Ausmaß gerechnet, aber warum es nicht als Szenario mitdenken? Ich denke, dass dieser „Hallo-Wach-Effekt“ bei vielen ein Umdenken herbeiführt. Da wir aber nicht alles voraussehen können, machen wir erst einmal kleine Schritte. Für viele Unternehmen ist es notwendig, dass sie den eigenen Markt betrachten. Wie verändern sich die Bedürfnisse der Zielgruppen? Was ist heute gefragt? Was wird in Zukunft gebraucht? Daraus können alle Stellen im Unternehmen, ob in Management-Position oder in ausführenden Rollen überlegen, wie sie auf Veränderungen reagieren können. Nicht jede Veränderung kommt so schlagartig, wie ein sich weltweit verbreitender Virus und die Maßnahmen, die nun zu dessen Eindämmung ergriffen werden.

Die Digitalisierung entwickelt sich dagegen etwas langsamer. Nehmen wir diese und betrachten das eigene Geschäftsmodell. Wie bedienen wir die Bedürfnisse unserer Kunden? Wie können wir die Digitalisierung nutzen, um sie noch besser, leichter oder schneller zu bedienen? Vielleicht müssen die eigenen Angebote dann in Dienstleistungen und Services umgewandelt werden. Ein gutes Beispiel für eine Geschäftsmodell-Innovation ist das Leasing Angebot der Turbinensparte von Rolls Royce. Hier haben sich clevere Köpfe die Frage gestellt: „Müssen die Kunden Turbinen kaufen und besitzen?“ Nein, denn primäres Ziel der Kunden ist es die Turbinen in Flugzeugen einsetzen. Daher hat Rolls Royce entschieden die Turbinen zu verleihen. Deutlich mehr Geld wird nun mit Service-Paketen umgesetzt.

Ein anderes Beispiel ist Amazon mit seinem Angebot Amazon Go. Angenommen ein Kassenhersteller möchte sein Produkt innovativer gestalten – was wird er tun? Vielleicht Kassensysteme digitalisieren. Amazon hingegen hat verstanden, dass Kassen nur ein notwendiges Übel für viele Konsumenten darstellen. In den Geschäften von Amazon Go stehen daher keine Kassen, die Konsumenten loggen sich über ihre Smartphones ein, scannen die Artikel und verlassen das Geschäft, ohne an einer Kasse in der Schlange zu stehen. Abgerechnet wird digital über das persönliche Amazon-Konto. Dieses Verständnis für den Kunden ist in vielen Fällen entscheidend! Wir sollten also überlegen, wie wir auf Veränderungen reagieren – und das frühzeitig.