Einsatz von AC-Elementen im Bewerbungsgespräch

Viele Rekrutierer führen äußerst professionelle Interviews und haben trotzdem bei der Einschätzung des Kandidaten manchmal ein unsicheres Gefühl. Die Frage bleibt: kann ich den Erzählungen Glauben schenken – oder brauche ich weitere Hinweise, die mir Sicherheit geben?

Eine Assessment-Center-ähnliche Aufgabe, in der der Bewerber zeigt, was er/sie kann, rundet die Einschätzung von Kandidaten ab, denn: Verhalten ist valider als Erzählen!

Kompetenzkriterium bestimmen

Eine AC-Übung wird immer, genau wie die Fragen eines Bewerberinterviews, an Kompetenzen der Stelle ausgerichtet. Da die Interviewzeit begrenzt ist, sollten im Rahmen des Interviews maximal 1-2 Kompetenzen mit AC-Aufgaben beobachtet werden.

Bei der Auswahl der richtigen Kompetenz für die AC-Übung ist die entscheidende Frage: Welche Kompetenz aus dem Anforderungsprofil ist besonders kritisch – entweder, weil ein Bewerber die Stelle ohne sie nicht ausfüllen kann, oder aber weil diese Kompetenz im Interview schwer zu erkennen ist?

AC-Elemente “designen“

Nachdem feststeht, was genau beobachtet werden soll, werden Übungen erarbeitet. Die Übungen sollten dabei so gewählt werden, dass sie das „gewünschte Verhalten“ des Bewerbers gut beobachtbar werden lassen. AC-Aufgaben, die sich am besten und ohne großen Organisationsaufwand in Bewerberinterviews integrieren lassen, sind fachliche Aufgaben mit anschließender Ergebnis-Präsentation.

Weniger geeignet sind interaktive Übungen, wie Zweiergespräche, da es zum einen wesentlich mehr Aufwand bedeutet und zum anderen besondere Anforderungen an die Rolle des Gesprächspartners in einer solchen Übung gestellt werden. Die „Rollenspieler“ müssen gut ausgebildet in der Reaktion auf Menschen sein und für alle Bewerber gleich eingesetzt werden.

Die Aufgabenstellung sollte ein Teil der realen Aufgaben der Stelle abbilden und inhaltlich bedeutsam sein, denn je realistischer die AC-Übung für die Stelle ist, umso größer ist die Akzeptanz seitens des Bewerbers!

AC-Elemente auswerten

Die Auswertung erfolgt anhand der zuvor formulierten Beobachtungskriterien durch die Beobachter.

Als wichtiger Grundsatz gilt dabei: Alle Beobachter sind in differenzierter Beobachtungsfähigkeit geschult und haben die AC-Übung zuvor selbst einmal durchlaufen. Die Trennung von Beobachtung und Bewertung sind wichtig für den Erfolg der Übung. Weiterhin sollte unter allen Beobachtern eine gemeinsame Entscheidung bezüglich der zu beobachtenden Kriterien entstehen, die auf gegenseitigem Austausch und nicht auf einer bloßen Abstimmung basiert. Idealerweise wird sie mit Beobachtungen aus dem vorangegangenen Interview abgeglichen.

Geschrieben von:

Claudia Uhrheimer
Ist Diplom-Betriebswirtin mit Ausbildung zum Systemischen Coach, Talent-Expertin und Trainerin für Rekrutierung und Personalauswahl. Sie berät seit 2001 in den Bereichen Talentsuche, Personalauswahl, Personalentwicklung, sowie in Change-Themen, auch international. Hierbei profitiert sie von ihrer langjährigen Praxiserfahrung im HR-Bereich.

Unsere Seminarempfehlung

1-Tag Intensiv-Seminar
Assessment Center-Übungen im Bewerbungsgespräch nutzen
Ihr Referent: Claudia Uhrheimer

Sie lernen, für unterschiedliche Anforderungsprofile passende Übungen zu entwickeln und welche Details hierbei zu beachten sind – von schriftlichen Aufgaben über strukturierte Gesprächsformate bis hin zu Rollenspielen. Ein besonderer Fokus liegt auf der professionellen Gestaltung der AC-Übungen, der präzisen Beobachtung und einer klaren Trennung von Wahrnehmung und Bewertung.

Zum Seminar


Recruiting-Seminare